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NEU Roland Ostertag u.a., Stuttgart ohne Geschichte. Stadtplanung im kritischen Rückblick

Roland Ostertag u.a.
Stuttgart ohne Geschichte
Stadtplanung im kritischen Rückblick
Mit Beiträgen von
Max Bächer, Helmut Böhme, Hermann Hesse, Roland Ostertag,
Frei Otto, Paul Sauer und Klaus Töpfer
Stuttgart: Peter-Grohmann-Verlag 2018
ISBN 978-3-944137-81-0
EUR 16.80

Klappentext: „Die Summe der hier vorgestellten und kommentierten Aufsätze zur historischen Dimension der Stadtplanung von Hermann Glaser, Helmut Böhme und Klaus Töpfer u.a. machen die Versäumnisse in unserer Stadt erkennbar. Auf der Grundlage ihrer Beiträge wird hier ein kurzgefasstes Kompendium moderner Stadtplanung vorgelegt. Stuttgart benötigt endlich ein geistig-gedankliches Konzept, ein grundlegend neues Stadtentwicklungskonzept, eine Vision, an der sich die Entscheidungen der Tagespolitik orientieren sollten. Das diffuse Stuttgart, das seine Geschichte vergessen hat, muss wieder Stutt-GART werden. Gartenstadt zwischen sonnenbeschienenen Bergen, überraschende Aus-, Drauf-, Einblicke anbietend, erlaubend. Eine Stadt eigener Art, voller Überraschungen.“

EInführung von Roland Ostertag – S. 7 f.

„Der Mensch ist ein städtisches Wesen,“ sagt Aristoteles.

„Die kostbarste kollektive Erfindung ist die Stadt, einzig der Sprache selbst steht sie nach in  ihrer Fähigkeit, Kultur auszubreiten“, so Lewis Mumford. Die Baukunst – die Stadt, ihre Räume,  ihre Gebäude, ihre Sprache – ist die öffentlichste aller Künste. „Man kommt ihr nicht aus“, sagt Adolf Loos in seiner Sprache. Man sollte meinen, dass die dafür Verantwortlichen, die Politiker, die Planer, die Architekten sich ständig darüber unterhalten, in der Öffentlichkeit darüber diskutieren, sich mitteilen, darüber nachdenken, vorausdenken.

Doch wir stellen fest, dass sich fast alle Beteiligten der Mitteilsamkeit und Öffentlichkeit verweigern, ein Schweigen, das zum Verschweigen wird. Diese Sprachlosigkeit ist Ausdruck der Gedankenlosigkeit, Hauptgrund, dass das, was 2000 Jahre anhielt, von Babylon bis in die Gegenwart, Abschied nimmt: Das Städtische, die Stadt, Stadtkultur, die architektonische Qualität. Beweis, dass man doch wohl ohne sie auskommt.

Auch im Besonderen in Stuttgart. Vergebens sucht man in Bibliotheken, in Archiven qualifizierte Äußerungen der Verantwortlichen dieser Stadt zum Thema der Stadt im Allgemeinen, zur Stadt Stuttgart im Besonderen. Außer Gruß- und Vorworten, Worten zum Samstagabend, Klageliedern, dürren, eindimensionalen Texten, nichts gewesen. Weder die Oberbürgermeister, noch die Baubürgermeister dieser Stadt haben in den vergangenen Jahrzehnten wesentliche Gedanken zur Stadt, zu unserer Stadt beigesteuert. Allenfalls Texte zum eingeschränkten Wie, das Was, das Wozu, das Warum kommt nicht vor. Kein Wunder, dass damit ein verhängnisvoller Kreis geschaffen wurde: Kein Denken, kein Gespräch, keine sprachfähigen verantwortlichen Bauherren, keine sprachfähigen Architekten, keine Sprach-, Planungs- und Baukultur.

Stuttgart 21, das seit 1994/95 vor unseren Augen abläuft, ein Paradebeispiel für diese Unkultur, wird von den Verantwortlichen als Theaterstück „Geschlossene Gesellschaft“ inszeniert. Häppchenweise wird die Öffentlichkeit nachträglich informiert. Kein Wunder, dass sich dagegen zunehmend Kritik und Unwillen äußert.

Seit Jahren versuchte das Architekturforum durch Veranstaltungen, Vorträge, Ausstellungen, Diskussionen diesen Defiziten zu begegnen. Wesentliche Äußerungen auf dieser Plattform sind in Büchern des Architekturforums und in diesem Buch zusammengefasst. Erster Schritt, dem – so hoffen wir – weitere Schritte folgen werden.

Unser Anliegen dient der Hoffnung, dem Schweigen, dem abwesenden Denken, der Sprach- und Qualitätslosigkeit, dem Verlöschen des Städtischen, der Stadt, in unserer Stadt Einhalt zu gebieten. Die Verantwortlichen, die Politiker aufzufordern, geistige und soziale Vorstellungen von unserer Stadt zu entwickeln; die Planer, die Architekten aufzufordern, sich an den Gesprächen zu beteiligen; Planungs- und Baukultur zu fordern und zu praktizieren. Die Menschen aufzufordern, teilzunehmen an der Stadt, in der sie leben. Die Hoffnung gilt der Imagination von Städten, der der Stadt Stuttgart, dass aus einem, aus unserem neuen Lebensgefühl, aus dem Verlangen nach einem emotionalen Stadterlebnis neue städtische Träume und neue städtische Räume entstehen.

Unser, mein Dank, dass dieses existenzielle und essentielle Anliegen soweit gedeihen konnte, durch Veranstaltungen, durch dieses und andere Bücher, gilt im Besonderen der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der L-Bank. Sie hat uns einen Ort zur Verfügung gestellt, an dem dies geschehen konnte und der wesentlich zum Erscheinen dieses Buches und anderer Veröffentlichungen beitrug. Dank den Menschen, den Kollegen, den Institutionen, die uns finanziell unterstützen.

Mein besonderer Dank gilt den Autoren der in diesem Band zitierten Aufsätze, sowie Heiner Wittmann, der mich seit Jahren unterstützt und an der Redaktion für dieses Buch mitgewirkt hat. Thomas Fütterer hat mit seiner so bewährten Unterstützung die Herstellung dieses Bandes besorgt.
Roland Ostertag

Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Einführung 7
1 Die historischen Grundlagen der Stadt
Stuttgart
1.1 Hermann Glaser und die Entstehung der Städte. Geometrie und Funktionen 13
1.2 Helmut Böhme: Stadtentwicklung der Stadt Stuttgart 23
1.3 Paul Sauer: Der Aufstieg Stuttgarts 31
1.4 Otto Borst beschreibt Stuttgart als Stadtpersönlichkeit 37
1.5 Klaus Töpfer: Auf der Suche nach der menschlichen Stadt 41
1.6 Frei Otto: Ethik, Ästhetik, Innovation 51
1.7 Hermann Hesse: Die Stadt 59
2 Die Schätze der Stadt Stuttgart werden
verkannt
2.1 Ankünfte in Stuttgart 67
2.2 Ist der Zug schon abgefahren? Stuttgart: Über historische und
psychologische Scheuklappen 75
2.3 Zauberworte, Fetische: Das Unterirdische, die Geschwindigkeit 85
2.4 Stuttgart – Landschaft – Ankünfte und Abschiede 91
2.5 Vom Schwinden des Ortes 103
2.6 Vom Umgang mit Denkmälern. Du kommst auch noch dran. 111
2.7 Ausblick Moloch Stadt 119
2.8 Max Bächer: Da liegst du nun… 123
2.9 Stuttgart – ohne Visionen, ohne Ideen, ohne Utopien 137
2.10 Peter Grohmann, 80 Jahre 141
2.11 Die Residenz Stuttgart 145
2.12 Vom Werden einer Gedenkstätte 149
2.13 Wissen bringt Qualität 155
2.14 Die Stadt als Lesebuch 161
2.15 Die Stadt 169
STUTTGART4.indd 4 09.04.18 10:14
5
3 Visionen für eine Stadtplanung
3.1 Helmut Böhme: „Leere Himmel“ – oder „Die Erneuerung der europäischen Stadt“.
Ein stadtbaulicher und stadtgeschichtlicher Exkurs am Beispiel Stuttgart 177
3.2 Wasser ist Leben. Stuttgart hat kein Leben ohne Wasser 197
3.3 Stuttgart eine Messe wert? 203
3.4 Park und Villa Berg 219
3.5 Bäume sind Lebewesen 227
3.6 Das neue Karstadt, die Zukunft der Königstraße? Oder: Die Architektur,
die Architekten als Seismograph 231
3.7 Neckarraum, Garten, Paradies. Vorschlag für die IBA 2022.
Von der Industrienatur zu einer Internationalen Bauausstellung IBA 235
3.8 Schtuggart sott halt am Neckr liega, Schwabenfluss. Vorschlag 241
3.9 Der Neckarkanal. Bundeswasserstraße, Lebensraum oder Heimatfluss.
Ein lebendiger Fluss für eine lebendige Stadt 245
3.10 Der Stadtboden gehört Allen. Gedanken zur städtebaulichen Entwicklung
der Stadt 265
3.11 Stuttgart – Quo vadis ? 287
Zusammenfassung 301

 

Stadtspaziergang mit Professor Roland Ostertag rund um den Stuttgarter Marktplatz am 7. Oktober 2016

Alle Teilnehmer am 7. Oktober 2016 am Stadtspaziergang mit Professor Roland Ostertag rund um den Stuttgarter Marktplatz werden demnächst mit geschärfterem Blick für die historischen noch ein wenig sichtbaren Spuren den Marktplatz umrunden oder überqueren:



Fotos und Film: Heiner Wittmann

Die Stadt und ihre Stadtplaner haben keine Mühe darauf verwendet, das Grundgesetz der Stadt, zu dem u. a. ihre Achsen zählen, einzuhalten. Viele Zeugnisse der Vergangenheit wurden leichtfertig vernichtet. Das Steinerne Haus aus dem 15. Jh.wurde zugunsten von 5 Parkplätzen abgerissen, das Kaufhaus Schocken fiel der Spitzhacke zum Opfer und heute wird das neue Breuninger-Shoppng Center in die Blickachse gebaut. > Stuttgart. Zauber der Topographie und Elend der Stadtplanungg lautet der Titel von Roland Ostertags neuestem Buch.

Kann man den Eckensee überbauen?

„Da liegst du nun in Sonnenglanz, schön wie ich dich je sah,“ so der Stuttgarter Oberhofprediger Karl Gerok aus Vaihingen an der Enz über sein Stuttgart. Doch seit Jahrzehnten schaut keiner mehr auf die Stadt. Die Bürger interessieren sich nicht mehr für die Stadtplanung, weil es keine gibt, die überzeugt. Das soll nun, nachdem man den oberen Schlossgarten mit dem Eckensee ‑ ein als Kulturdenkmal klassifizierter Raum ‑ als Bauplatz für die Interimsoper aus gesondert hatte, nun doch wieder als Bauplatz für die jahrelange Zwischenlösung ins Gespräch gebracht werden ‑ ganz so als ob der Schlossgarten nicht schon genug durch den unterirdischen Bahnhof gelitten hätte. Der Schlossgarten, die Zerstörung der Seitenflügel des Hauptbahnhofs haben an Identität und Selbstbewusstsein der Stadt bereits sehr genagt, genauso wie alle Bauten auf dem Areal A1 den Luftaustausch auf sträfliche Weise beeinträchtigen, den der Talkessel so bitter nötig hätte. Das Klima in der Innenstadt wird beschädigt, wenn Bäume abgeholzt werden und wenn Politiker meinen, der Eckensee sei nur zum Angucken da. Wozu braucht Stuttgart eigentlich noch eine Denkmalschutzbehörde, so darf man verwundert fragen? Wenn die Stadt Stuttgart nicht nur jede freie Fläche überbaut und dazu auch noch bestehende Seen wie den Eckensee leichtfertig opfert, dann wird das Wort Stadtplanung in dieser Stadt endgültig zum Fremdwort.

Roland Ostertag

Bundesverdienstkreuz für Professor Roland Ostertag

Für seine herausragende Verdienste im Bereich der Architektur und für das Allgemeinwohl hat Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid im Namen des Bundespräsidenten Joachim Gauck am Dienstag, 15. September 2015 Professor Roland Ostertag aus Stuttgart den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland – 1. Klasse verliehen:

Fotos: Heiner Wittmann > Das komplette Fotoalbum.

Die Rede von Prof. Ostertag anlässlich dieser Ordensverleihung:

DIE STADT, DIE STADT STUTTGART

Die Stadt, der Stadtraum ist die höchste und anspruchsvollste Form eines Gesamtkunstwerks. Eine hochkomplex vernetzte Struktur als Ergebnis und Abbild von Geschichte, wirtschaftlichem Tätigsein, menschlichem Leben und Leiden, auch des Zerstörens. Ergebnis der Dialektik zwischen Elementen des Naturraumes und anthropogenen Ursprungs, des räumlichen Zusammenspiel der natürlichen geographischen Gestalten und der historischen Überprägung durch die Kulturarbeit von Generationen/Neef. Stuttgart ist eine von Natur und Topographie geprägte, Kulturerlebnisse bietende, Stadt mit einer Zivilgesellschaft liberaler Tradition, ob herzlicher wurde noch nicht wie in München auf die Probe gestellt. Wir schätzen sie, sie wurde für Menschen aller Welt zum Lebensort. Alle Kulturen verwirklichen ihre Welterfahrungen in ihren Städten. Stadtarchitektur ist für unsere Weltvergewisserung zentral. Stadtwanderungen sind Weltwanderungen durch die menschliche Existenz.Stadtarchitektur ist Spiegel der Welt, weil sie Spiegel der Erinnerung ist.Städte sind Lesebücher

Zustand der Stadt. Stuttgart ist eine reiche Stadt, doch ohne Vision, Identität, die alte Identität mit vielen Kulturdenkmäler haben geschichtslose Menschen zerstört. Dem Stadtwanderer bietet sich die Stadt mit einer einmaligen Topographie jedoch ohne Klang. Wo Welt sein sollte, meist nur leere, stumme Straßen, die Bauten versagen einem die Gewissheit in einem spezifischen Ort zu sein. Vor lauter Internationalität nimmt der Ortsbezug der Straßen, Gebäude ab. Eine in Solitäre aufgelöste, unwirtliche, kalte Stadt. Ergebnis blinder Planung. Die Stadt spricht nicht mehr. Hat ihre Seele verkauft.

GROSSPROJEKTE prägen die Stadt. Stuttgart 21, A1 Volumen ohne Raum > Ortsbesichtigung: S-21 – Bauabschnitt A 1, der beabsichtigte Irrsinn im Oberen Schlossgarten, Rosensteintunnel, die sinnlosen Einkaufstempel, beschädigen die Räume, die Kultur der Stadt Alpträume, die Kilometer raumzerstörender blauer Röhren, eher Hydrierwerk als Stadt

und die verheerenden Kollateralschäden von S21 signalisieren das Ende, was die Geschichte als Stadt kennt. Irrtümer? Allerdings kann der Geist nicht irren, da wo keiner vorhanden. Kleist. Städte halten viel aus, sie können auch umkippen. Städte,Stuttgart haben ein Grundgesetz,in dem die charakteristischen die unverzichtbaren Werte, Fundamentalien, festgeschrieben sind, die nicht verletzt werden dürfen, gepflegt werden müssen, was Stuttgart nicht kennt. Operative Eingriffe in ihre Struktur sind wie Gen-Manipulationen und zerstöre den Stadtorganismus.

Alles, Menschen, Stadträume, Sozialverhältnisse, werden zum Abfall unserer verrückt gewordenen Waren- und Kapitalordnung. Wo Menschen im Weg sind, werden sie wie Ratten in Unterführungen geschickt. Wo sie ihr Leben mit Amazon einrichten, in Bluejeans ins Theater gehen, Modeschau „weiblicher Unterwäsche“ im Haus der Geschichte, braucht man sich über zerstörte Stadtlandschaften nicht wundern. Räume sind Ausdruck des Denkens der Stadt. Sind die wahren Spiegelbilder der Gesellschaft. Ergebnis der unwiederbringliche Verlust des individuellen/kollektiven Gedächtnis, des Charakters,des eigenen Sinns der Stadt. Anstelle Erzählfähigkeit vergegenständlichter Geschichte, eine ortlose entzauberte Welt Nicht Ergebnis von Denken, Anlass zum Denken.

Verantwortung Wer ist dafür verantwortlich? Wer sind die Vollzugsbeamten der Epochenstimmung? Die von uns gewählten Verantwortlichen? Die Politiker, Stadtplaner, Städtebauer?Jede Stadt verdient die Politiker, die Stadtplaner, die Architekten, die ihrem gesellschaftlichen Zustand, ihrer Lebensweise entsprechen. Die Defizite der Stadt sind immer die Defizite der städtischen Gesellschaft. Wir sind nicht nur die Opfer von Städtebau/-planung, sind auch die Täter. Wir können mit unserer Geschichte, unvergleichlichen Lage nichts anfangen. Das zeigt sich in der selbstzufriedenen Oberflächlichkeit, im Umgang mit der Stadtgeschichte, unseren Profilneurosen Die Politik, die Stadtplanung, die Hochschulen, viele Architekten haben abgedankt. Die Stuttgarter wehren sich nicht gegen diese Entwicklung, die Stadtplanung der Investoren, Bauträger die den Bauherrn abgelöst haben, die Bahn.Sie lassen sie wüten, schalten, walten ohne Rücksicht auf die Stadt. Sie verwandeln sie in ein Schlachtfeld, eine Wüste, eine Zumutung. Bei mir, 1945 14 Jahre jung, tauchen ähnliche Bilder der zerstörten Stadt nach dem Krieg auf. Schon seit Jahren frage ich: Wem gehört denn die Stadt?

Perspektive: Können wir, nachdem die Welt der modernen Städte immer unwirtlicher wird, wieder eine menschliche, sprechende Welt, Stadt schaffen? Ich bin der Meinung, wir können den unendlichen Fortschritt in den Verlust, der Humanität, die zivilisatorische Katastrophe, beenden. Denn wir erinnern uns an die Stadt als Spiegel der Erinnerung. Unsere Zukunft wächst aus der Zivilisation des Erinnerns. Während meiner 60-jährigen Tätigkeit stellte ich Fragen
H.ARENDT: Was für unsere Welt noch zu hoffen bleibe, wenn, die Stadt untergegangen sei. Antwort. Die Menschen sollten in Gedanken, Träumen, in den Gassen ihrer versunkenen Stadt sich bewegen, wie das Sonntagskind des Märchens. Um sie mit positiven Gedanken, an die Oberwelt zurückzubringen. Die Gefährdungen seien Chancen. Aus der Hoffnung, dem Verlangen, der Imagination, aus unserem Lebensgefühl könnten neue städtische Räume entstehe.

W. HILDESHEIMER: den melancholischen Dichter der Hoffnung, der in den 80er Jahren Mozarts Requiem begleitete. Angesichts der Zerstörung der Städte, erhob er Anklage gegen die Schreibtischtäter Planer, Politiker „Lass kein Requiem für sie, Herr gib ihnen die ewige Ruhe nicht, denn sie haben diese Gnade nicht
verdient, systematisch ruinieren sie deine Schöpfung“ Am Ende seiner Auseinandersetzung mit Mozarts Requiem fragt er „Vielleicht hofft es in uns? und antwortet:Solange ich bin, hoffe ich.

PAPST FRANZISCUS: fordert in seiner Umwelt-Enzyklika angesichts der Zerstörung der Städte, der Erde, Schöpfung der Schöpfung, nicht zu resignieren sind kein Labor der Technik, sind nicht Eigentümer der Erde, sind Treuhänder, Hüter. Alle Projekte Umwelt Ethik Politik Religion Soziales sind zusammen zu denken. Wir haben einen gemeinsamen Ursprung und Verantwortung.

DER KÜRZLICHE KIRCHENTAG Botschaft „Damit wir klug werden“ fragt Was muss geschehen damit wir klug werden? Nicht das Ich, nur das gemeinsame Wir zählt. Angesichts skandalöser Armut und Selbstzerstörung der Erde kann nur protestantische Selbstkritik zur Klugheit führen, die Schöpfung bewahren.

Dies uns, den Regierenden, Parteien ins Stammbuch, sie weisen auf unsere deren Verantwortung hin, eröffnen Perspektiven. Wir dürfen die Hoffnung nicht auf geben wie einen Brief ohne Adresse. Städte, Bordeaux,Bologna, Oslo sind seit Jahren dabei ihren Zerfall durch kluge Stadtpolitik aufzuhalten, aus der Weltlosigkeit der Moderne zur lebendigen Stadt der Zukunft zu gelangen, der Stadtwanderer seine Stadt neu erlebe, als Spiegel der Welt. Stuttgart muss daran mit Geist, mit einer Vision teilnehmen, sich seines Bezugs zur Welt, seiner Natur, Topographie, seiner Geschichte erinnern, die in keiner anderen Stadt so mit einander verwachsen sind. Sie begründen die Persönlichkeit der Stadt und liegen in ihrem Grundriss verwahrt, sie müssen zum Gesetz des Denkens, Handelns bei der Suche nach der Lebensform, Identität der Stadt werden. Die Zukunft der Stadt liegt noch vor uns. Das Potential der Stadt wird ja nicht genutzt. An dieser Sicht, an einem überzeugenden Plan fehlt es. Höchste Zeit für eine Idee von Stadt, das isolierte und isolierende Denken, Planen durch ein Gesamtkonzept zu ersetzen, daraus Vorgaben für Politik, Planer, Architekten abzuleiten. Die Stadt der Zukunft kann nur entstehen wie die Stadt der Vergangenheit. Durch Übernahme des Bewährten und behutsame, überlegte Übernahme und Verbesserung des Neuen. In der Standortkonkurrenz der Städte spielt die Passantenfrequenz in der Königstraße, das schnelle Durcheilen/Verlassen-Können der Stadt, keine, die Atmosphäre, Milieuqualität, das räumliche Angebot, die Emotionalität der Stadt die entscheidende Rolle. Langfristige Probleme brauchen zur Lösung langfristiges Engagement. Ich weiß nicht nur lusterfüllt, sondern mühsam, bedarf täglichen Niederlagen-Training. Meine verbleibenden Tage reichen nicht. Jüngere sind dran. Ich werde weiterhin dabei sein. Nicht nur aus Sorge, sondern weil die Stuttgarter das Recht auf eine schöne, eine menschenwürdige, lebenswerte Stadt haben Dies eine Liebeserklärung eines Stuttgarters an Stuttgart.

Dank fürs Zuhören

NEU Verantwortungsvolle Mobilität in Stuttgart.
Ein Beitrag zur Stadterneuerung

ostertag-mobilitaet-in-stuttgart
Unsere  Fragestellung,  unser  Ziel,  lautet  nicht,  möglichst  viel  Automobilverkehr zu ermöglichen, durch die Stadt zu schleusen, zu verflüssigen, Stau zu vermeiden, wie komme ich möglichst rasch in, durch die und aus der Stadt heraus. Mobilität darf nicht weiterhin nur als Automobilität verstanden werden. Unsere Fragestellung, lautet, wie überwinden wir die mehrfach bürgerfeindliche, räumlich-soziale, kulturelle, horizontale Spaltung der historischen Stadt,  ihre  vertikale  Trennung  in  ober-  und  unterirdisch.  Wie  erreichen  wir wieder eine räumlich, kulturell, sozial und topografisch vernetzte Stadt? Eine Stadt mit mehr Verweil-, Wohn-, Lebensqualität, mit mehr räumlicher, atmosphärischer Qualität. Wie schaffen mobilitaet-inhaltwir die Wiedervereinigung der Stadtquartiere, der Teile, die einmal zusammengehörten?

Stuttgart ist eine von Natur und Topographie bevorzugte schöne Stadt. Wir schätzen diese Stadt als Lebens- und Wohnort, die in bemerkenswerter Weise durch Landschaft durchdrungen ist, viele charaktervolle Quartiere und herausragende Orte besitzt. Topographie, Stadtgeschichte und Identität sind in Stuttgart besonders eng  miteinander  verwachsen.  Doch  die  unvergleichliche  Lage  bereitet auch  unvergleichliche  Probleme.  Sie  hätten  zum  Gesetz  der  Planung werden müssen. Doch Kenntnisse und Willen fehlten.
Die Stadt wurde von Politikern und Planern geradezu misshandelt und folglich  teilweise  zerstört.  Das  2013  veröffentlichte „Verkehrsentwicklungskonzept  der  Landeshauptstadt  Stuttgart  – VEK  2030“  bestätigt diese Haltung in einem erschreckenden Ausmaß. Die Planer haben das Potential  der  Stadt  nicht  erkannt.  Eine  der  Hauptursachen  für  diese Defizite ist die nur äußerlich verstandene Mobilität, die die autogerechte Stadtplanung auf Straßenverkehrsplanung reduziert.

Oberstes Ziel der Stadtplanung sind die raschen Durch- und Ausfahrten, während die Verweil-, Wohn- und Lebensqualität nicht beachtet werden. Diese  ideologisierte  Stadtplanung  darf  nicht  fortgeführt  werden. Wir stellen ihr mit diesem Buch ein Konzept für verantwortungsvolle
Mobilität in Stuttgart entgegen

Klappentext: “Stuttgart ist eine von Natur und Topographie bevorzugte schöne Stadt. Wir schätzen diese Stadt als Lebens- und Wohnort, die in bemerkenswerter Weise durch Landschaft durchdrungen ist, viele charaktervolle Quartiere und herausragende Orte besitzt.

Topographie, Stadtgeschichte und Identität sind in Stuttgart besonders eng miteinander verwachsen. Doch die unvergleichliche Lage bereitet auch unvergleichliche Probleme. Sie hätten zum Gesetz der Planung werden müssen. Doch Kenntnisse und Willen fehlten. Die Stadt wurde von Politikern und Planern geradezu misshandelt und folglich teilweise zerstört. Das 2013 veröffentlichte „Verkehrsentwicklungskonzept der Landeshauptstadt Stuttgart – VEK 2030“ bestätigt diese Haltung in einem erschreckenden Ausmaß. Die Planer haben das Potential der Stadt nicht erkannt. Eine der Hauptursachen für diese Defizite ist die nur äußerlich verstandene Mobilität, die die autogerechte Stadtplanung auf Straßenverkehrsplanung reduziert.”

Verantwortungsvolle Mobilität in Stuttgart
Ein Beitrag zur Stadterneuerung
Verkehrsplanerische Begleitung: Gunter Kölz
Peter-Grohmann-Verlag > verlag@die-anstifter.de
Kremmlerstraße 51 A, 70597 Stuttgart-Sonnenberg, T 0711 248 56 -77, Fax -79
> www.die-anstifter.de
Satz: Thomas Fütterer
Herausgabe unterstützt vom Verein zur Förderung und Erhaltung historischer Bauten e.V.
Stuttgart 2014

Stuttgart: Das Grundgesetz der Stadt

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Verantwortungsvolle Mobilität in Stuttgart
Ein Beitrag zur Stadterneuerung
Verkehrsplanerische Begleitung: Gunter Kölz
Stuttgart: Peter-Grohmann-Verlag 2014
> verlag@die-anstifter.de
Kremmlerstraße 51 A, 70597 Stuttgart-Sonnenberg, T 0711 248 56 -77, Fax -79 -> www.die-anstifter.de

Auszug aus dem Kapitl 9: Das Grundgesetz der Stadt (S. 38 f.):

Ehe konkrete Vorschläge und Ziele für Stuttgart formuliert werden, muss das Grundgesetz der Stadt, müssen die unbedingt zu berücksichtigenden Fundamentalien, die den unverwechselbaren Charakter der Stadt konstituieren, zur Kenntnis genommen, festgelegt werden, um sie bei der Planung zu berücksichtigen. Städte  sind  unverwechselbare,  charaktervolle,  dem  Menschen,  Heimat,  ein Zuhause bietende Individuen. Städte sind das einmalige Ergebnis „des räumlichen Zusammenspiels der natürlichen geo- und  topographischen Gestalten und  deren  historischen  Überprägung  durch  die  Kulturarbeit  von  Generationen“ (Ernst Neef). Es sind die aus den naturräumlichen Gegebenheiten, der Geo-  und  Topographie,  dem  Geist,  der  Geschichte  der  Stadt  herrührenden
konstituierenden  Faktoren,  Grundkonstanten,  Fundamentalien  einer  Stadt
die stabil, kaum zerstörbar, ungeheuer strapazierfähig sind, die das Grundgesetz der jeweiligen Stadt darstellen, nicht angetastet, nicht zerstört werden dürfen, geschützt, verstärkt werden müssen. Sie konstituieren den Charakter, die „atmosphärische Mixtur“, in unserem Fall die „Stuttgart-Mixtur“, die Persönlichkeit, ja die Seele der / unserer Stadt. Es ist ihr Gedächtnis, ihre Erinnerung, ihre Identität. In Stuttgart sind es vor allem folgende Fundamentalien:

–  die naturräumlichen, die gottgeschenkten Gegebenheiten, die traumhafte
Topographie
–  die  Talmulden,  die  Hänge,  die  Bergrücken,  die  Bergkränze,  der  bewegte
Horizont
–  die  (zum  großen  Teil)  verschütteten  Gewässer,  nicht  nur  der  vergessene
Neckar,
–  die  Draufsicht  auf  die  Landschaft,  auf  große  Teile  der  Stadt,  ihre „fünfte
Fassade“,
–  die Silhouette der Stadt-Landschaft,
–  der  Grundriss  der  Stadt,  der  natürliche,  der  geschichtlich  gewordene /
gewachsene,
–  die Stadt mit ihren historisch gewachsenen Stadtteilen, Stadtquartieren,
–  die  Straßen,  Häuser,  Dächer,  Staffeln,  deren  Stuttgarter  Regeln,  Gesetzmäßigkeiten
–  die Erschließung, Verkehr, die diversen Verkehrsarten, der ruhende Verkehr,
die stadtspezifische Mobilität
–  die  historische  Dimension,  Stadtgeschichte,  die  daraus  resultierenden
Fundamentalien
–  die  geistig-gedankliche,  die  gesellschaftliche,  die  soziale,  die  kulturelle
Dimension,
–  nicht zuletzt die Bewusstseins-Landschaft der Stadt.

Diese  und  andere  Fundamentalien  stellen  das „verbindliche  Grundgesetz“,
die unverzichtbaren, die charakteristischen Werte und Tabus der Stadt dar, die
bei allen Planungen zu berücksichtigen, einzuhalten sind und nicht verletzt
werden dürfen. Politiker, Planer, Architekten, Bürgerinnen und Bürger sollten
darüber Bescheid wissen, sie beachten.

Konzept für ein schöneres Stuttgart
Wasser in der Stadt

ostertag-wasser-stadtRoland Ostertag
Wasser in der Stadt. Konzept für ein schöneres Stuttgart
Stuttgart, Peter-Grohmann-Verlag 2013.
ISBN 978-3-927340-94-7

Erik Raidt, > Stuttgart am Neckar V. Die Parole lautet: Oben fließen!, Stuttgarter Zeitung,

Marc Hirschfell, > Rezension:  Wasser für Stuttgart: „Ähnlich wie in Freiburg die offenen Kanäle durch die Fußgängerzone plätschern, so stellt sich der ehemalige Präsident der Bundesarchitektenkammer Roland Ostertag eine Offenlegung des in die Kanalisation von Stuttgart verbannten Nesenbachs vor. Dass der Bach dort mit Abwasser vermengt wird, hält Ostertag zu Recht für eine grandiose Ressourcenverschwendung der zahlreichen Frischwasserquellen, die den Nesenbach speisen. Deshalb schlägt er eine Trennung vom Abwasser vor sowie eine Verlegung an die Oberfläche, was das Stadtbild und die Atmosphäre Stuttgarts außerordentlich bereichern könnte. …“ > Weiterlesen

H. Wittmann, > Konzept für ein schöneres Stuttgart. Roland Ostertag, Wasser in der Stadt,
8. März 2013.

Der Stadtboden gehört allen. Die Bebauung der Hauptstätter Straße

konrad-adenauer-strasse

stadtbodenIm Februar 207 haben wir zusammen mit Prof. Dipl.-Ing. Gunter Kölz unter der Überschrift Der Stadtboden gehört allen. Gedanken zu einer städtebaulichen Entwicklung der Stadt in einer umfangreichen Broschüre, die alle Pläne enthält, Vorschläge zu einer grundlegenden Sanierung der Hauptstätter Straße und damit zu einer Reparatur des durch die Stadtautobahn entstandenen Schadens in der Stadtmitte Stuttgarts vorgelegt.

H. Wittmann hat die Pläne dieser Broschüre mit Fotos ergänzt:
Die Bebauung der Hauptstätter Straße, 27. Mi 2007

H. Wittmann> Die Hauptstätter Strasse und das neue Mobilitätskonzept, 13. Juni 2007

> Wie viele Spuren hat die Hauptstätter Straße?, 25. Juli 2014

hs-5

> Die Barriere Hauptstätter Straße, 16. April 2012

> Stadtreparatur in Stuttgart (II): Die Hauptstätter Straße, 6. Juni 2011
> Die autogerechte Stadt IV
> Die autogerechte Stadt (III): Der Österreichische Platz

> Ulm Neue Mitte – Die Rückeroberung des Stadtraums.oder was geschieht mit der Hauptstätter Straße in Stuttgart?, 7. November 2007

Fotos: Heiner Wittmann

Stuttgart… wohin? Band 2

stuttgart-wohin-2Stuttgart… wohin?
Band 2: Beiträge zu Stuttgart von Max Bächer, Helmut Böhme, Otto Borst, Werner Durth, Hermann Hesse, Peter Hübner, Timo John, Wolfgang Kil, Arno Lederer, Roland Ostertag, Frei Otto Hannelore Schlaffer, Walter Siebel und Klaus Töpfer

Hrsg. Roland Ostertag                     LIEFERBAR
2004, 208 Seiten, zahlr. s/w Abb., Geb 21,5 x 29 cm,
Stuttgart: > Karl Krämer Fachbuchhandlung,  2004
ISBN 978-3-7828-4042-2

2004 haben wir eine Website zu diesem Buch erstellt: > www.stuttgart-wohin.de/band-2.

Städte sind das einmalige Ergebnis ‚des räumlichen Zusammenspiels der natürlichen geo- und topographischen Gestalten und der historischen Überprägung durch die Kulturarbeit von Generationen‘. Es sind die konstituierende, stabile Faktoren, Grundkonstanten, Fundamentalien, die kaum zerstörbar, ungeheuer strapazierfähig sind, die das Grundgesetz der jeweiligen Stadt darstellen. Sie ergeben den Charakter, die ‚atmosphärische Mixtur‘, in unserem Fall die Stuttgart-Mixtur, die Persönlichkeit, ja die Seele unserer Stadt.