Kann man den Eckensee überbauen?

„Da liegst du nun in Sonnenglanz, schön wie ich dich je sah,“ so der Stuttgarter Oberhofprediger Karl Gerok aus Vaihingen an der Enz über sein Stuttgart. Doch seit Jahrzehnten schaut keiner mehr auf die Stadt. Die Bürger interessieren sich nicht mehr für die Stadtplanung, weil es keine gibt, die überzeugt. Das soll nun, nachdem man den oberen Schlossgarten mit dem Eckensee ‑ ein als Kulturdenkmal klassifizierter Raum ‑ als Bauplatz für die Interimsoper aus gesondert hatte, nun doch wieder als Bauplatz für die jahrelange Zwischenlösung ins Gespräch gebracht werden ‑ ganz so als ob der Schlossgarten nicht schon genug durch den unterirdischen Bahnhof gelitten hätte. Der Schlossgarten, die Zerstörung der Seitenflügel des Hauptbahnhofs haben an Identität und Selbstbewusstsein der Stadt bereits sehr genagt, genauso wie alle Bauten auf dem Areal A1 den Luftaustausch auf sträfliche Weise beeinträchtigen, den der Talkessel so bitter nötig hätte. Das Klima in der Innenstadt wird beschädigt, wenn Bäume abgeholzt werden und wenn Politiker meinen, der Eckensee sei nur zum Angucken da. Wozu braucht Stuttgart eigentlich noch eine Denkmalschutzbehörde, so darf man verwundert fragen? Wenn die Stadt Stuttgart nicht nur jede freie Fläche überbaut und dazu auch noch bestehende Seen wie den Eckensee leichtfertig opfert, dann wird das Wort Stadtplanung in dieser Stadt endgültig zum Fremdwort.

Roland Ostertag

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