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Roland Ostertag: Die Ausstellung am Gähkopf

Die Ausstellung von > Roland Ostertag (1931-2018) am Gähkopf ist geschlossen.


Dietrich Heißenbüttel, > “Erst hier versteht man Stuttgart”, Stuttgarter Zeitung, 25. März 2019: “Was wird aus dem Stadtmodell des vor einem Jahr verstorbenen Architekten Roland Ostertag? Ein virtueller Rundgang beweist nun allen Neugierigen, was es hier zu bewahren gilt.”

Heiko Stachel hat eine beeindruckende Dokumentation angefertigt und lädt uns zu einem > Rundgang durch die Ausstellung von Roland Ostertag ein.


Der folgende Text stammt von Roland Ostertag: Er hat ihn für die Ausstellung verfasst, die er seinem Büro am Gähkopf 2000 eingerichtet und laufend ergänzt hat.

Einführung

Da liegst du nun im Sonnenglanz,
Schön, wie ich je dich sah,
in deiner Berge grünem Kranz,
Mein Stuttgart wieder da,
Liegst da vom Abendgold umflammt
Im Tale hingeschmiegt,
Gleichwie gefasst in Grünem Samt
Ein güldnes Kleinod liegt!
Karl Friedrich Gerok 1815-1890

Seit der Vertreibung aus dem Paradies suchen wir eine/die neue Welt, die „schöne neue Welt“ Aldous Huxleys aus Shakespeares STURM, sind auf der Suche nach der Stadt der Zukunft, entwickeln Utopien, Visionen, Leitbilder, angesiedelt zwischen Jerusalem und Babylon. Suchen die uns vertraute Stadt, die unserem Innenbild von Stadt entspricht. So auch in und mit Stuttgart.

Stuttgart besitzt mehrere Architekturgalerien für Wechselausstellungen, jedoch kein Angebot von Ausstellungsräumen, in denen Informationen über die Geschichte der Stadt, ihre Entwicklung angeboten werden. Ebenfalls gibt es keinen Ort in dem Aussagen zur zukünftigen Stadtentwicklung gemacht werden, zu aktuellen wesentlichen architektonischen und städtebaulichen Problemen und Themen Stellung bezogen wird, Vorschläge unterbreitet werden, Entwicklungen kritisch betrachtet werden. Mit dieser Ausstellung wird versucht, diesem Defizit mindestens teilweise abzuhelfen. Ein weiteres Motiv ist unsere Verpflichtung und Verantwortung, nicht nur Gebautes/Belastendes zu hinterlassen, sondern auch Anregungen zum Nach- und Vordenken.

Die Ausstellung ist reine Privatinitiative und ausschließlich privat fnanziert. Es ist klar, dass vor diesem Hintergrund keine perfekte Ausstellung erwartet werden kann. Sie ist ein Zeitdokument, das laufend fortgeschrieben, erweitert, ergänzt, korrigiert wird. Deshalb sind wir auch für Hinweise auf wesentliche Lücken und für konstruktive Vorschläge dankbar, selbstverständlich auch für finanzielle Unterstützung/Spenden.

Diese Entwicklung mit den damit verbundenen Problemen und Fragen, mit Vorschlägen zur weiteren Stadtentwicklung wird in dieser Ausstellung mit einem über 5 x 5 Meter großen Modell, auf 100, 1 x 1 Meter großen
Tafeln und Texten dargestellt.

Das Stadtmodell stellt die Stadt Stuttgart im Maßstab M1:1000 dar. Es hat eine Größe von 5,25×5,25m. Vom Kräherwald/Feuerbacher Tal im Westen bis Gablenberg im Osten, vom Killesberg/Augustinum im Norden bis Degerloch/Fernsehturm im Süden. Das Modell ist, wie aus untenstehendem Plan ersichtlich, in acht Teile geteilt.

Die Teile sind mit Rädern versehen, um die Teile auseinander zu rücken und aus den Zwischenräumen die Teile zu bearbeiten, zu ergänzen, zu reinigen. Das Modell wurde von einer Modell-Werkstatt in Dresden hergestellt, finanziert von einer Dresdner Firma, durch Spenden und intensiver ehrenamtlicher Tätigkeit seit 1992.

Die Ausstellung ist in folgende Abschnitte gegliedert:
1. Stuttgart – Woher – Wohin ?
Ausstellung zur Stadtentwicklung
2. Grundgesetz der Stadt
Fundamentalien, Konstanten
3. Entwicklung der Stadt von 1000 bis 2000
Gedacht und nicht gemacht
4. Zerstörungen der Stadt
durch Krieg und Planung
5. Gedanken zur Stadt
6. Themen der Stadt
Aktuelle und wechselnde Themen
7. Vorschläge zur Stadt
Der Stadtboden gehört allen.

Siehe auch > Ein neues Museum für die Bürger. Eine Lehrschau für die Stadtplaner – 4. Juli 2009 von H. Wittmann